Zuschauereffekt – So steigerst Du Deine Zivilcourage

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Der Zuschauereffekt ist uns allen schon einmal begegnet. Was aber tun?

Wenn der Zuschauereffekt zuschlägt

Stell Dir vor, Du bist unterwegs und plötzlich triffst Du auf eine Gruppe Menschen, die Dir offensichtlich nicht ganz freundlich entgegentreten, ja sogar eine Bedrohung darstellen könnten. Wie sich herausstellt, war Deine Befürchtung begründet. Du wirst nicht nur beschimpft, sondern auch noch körperlich bedroht.

In welcher Situation fühlst Du Dich sicherer? Wenn viele Menschen um Dich herum sind, oder wenn sich nur eine Person in Deinem direktem Umfeld befindet?

Ich denke, dass sich die meisten Personen, mit vielen Menschen deutlich sicherer fühlen. Warum dies ein gefährlicher Trugschluss sein kann, möchte ich an dieser Stelle erklären.

Das Genovese-Syndrom

Wir alle kenne diesen Effekt aus den Nachrichten. Jemand gerät in eine Notsituation. Dutzende Menschen stehen drum herum, doch keiner hilft. In der Psychologie spricht man hier vom Zuschereffekt oder auch vom Genovese-Syndrom. Dieser Begriff wurde durch die Amerikanerin Kitty Genovese geprägt, die in den 1960er-Jahren brutal überfallen und ermordet wurde. Der Überfall dauerte länger als eine halbe Stunde. Wie spätere Ermittlungen zeigten, haben mindestens 38 Personen den Überfall beobachtet oder gehört. Gehandelt hat aber niemand.

Waren diese Personen alle selbstsüchtigen Unmenschen?
Nein!
Sie sind jedoch gleich mehreren psychologischen Effekten zum Opfer gefallen.

Wissen wir nicht, wie wir uns in einer Situation verhalten sollen – was bei einer Notsituation meist der Fall ist – dann versuchen wir dieses Informationsdefizit auszugleichen. Wir beobachten andere Personen in der Umgebung. Nun passen wir unser Verhalten dem ihren an, was man auch als informativen Einfluss bezeichnet. Hierzu kommt noch der normative Einfluss. Damit ist gemeint, dass wir ungern mit unserem Verhalten aus einer Gruppe herausstechen. Damit würden wir Gefahr zu laufen, dass sich die Gruppe gegen uns stellt.

Daraus ergibt sich ein weiterer Effekt, welcher uns vom richtigen Handeln abhält:
Die pluralistische Ignoranz.

Die pluralistische Ignoranz

Damit ist gemeint, dass wir zwar relativ sicher sind, dass ein Verhalten nicht richtig ist. Wir stellen diese Einschätzung jedoch in Frage, wenn alle anderen dieses falsche Verhalten an den Tag legen. Dies führt schnell in einen Teufelskreis. Jeder glaubt, dass alle anderen glauben richtig zu handeln, obwohl in Wirklichkeit jeder einzelne am eigenen Handeln zweifelt.

Haben wir dann noch vermeintliche Experten in der Gruppe, fühlen wir uns noch viel sicherer.  Aber handeln diese in einer Notsituation automatisch auch richtig? Wohl nicht…

Der aber wahrscheinlich stärkste Effekt ist die sogenannte Verantwortungsdiffusion. Dies ist nichts anderes, als das abschieben von Verantwortung auf andere.
Hier könnte z.B. eine Frage sein:
„Warum soll gerade ich handeln, wenn hier noch 20 andere Menschen rumstehen?“

Diese Effekte zusammengenommen führen zum Zuschauereffekt.
Etwas passiert, jedoch niemand handelt.
Ist man sich dessen bewusst, kann man dem mit recht einfachen Mitteln entgegenwirken.

Was kannst Du tun?

Frage Dich: „Was würde ich tun, wenn ich nun alleine in der Situation wäre?“
Dies kann helfen aus dem Teufelskreis ausbrechen und zu handeln.
Das nutzt natürlich wenig, wenn man sich selbst in einer Notsituation befindet. Hier ist es manchmal nötig einen Impuls zu setzen. „Hey Sie da, mit der Krawatte! Ich benötige Hilfe!“

In dem man andere gezielt in die Pflicht nimmt zu helfen und sie von der großen Gruppe separiert, steigert man seine Chance auf Hilfe enorm.

Weitere Videos findest Du auf dem Empalogics-YouTube-Kanal, oder aber direkt hier!

Quellen

Zum Weiterlesen:
Zivilcourage lernen: https://www.berghof-foundation.org/nc/de/programme/friedenspaedagogik-globales-lernen/
Zusammenfassende Befunde zur Zivilcourage: http://www.prof-kurt-singer.de/leitgedanken-zivilcourage.pdf
Konformitätsdruck in Grupen: E. Aronson, T. D. Wilson, R. M. Akert: Sozialpsychologie. Pearson Studium. 6. Auflage 2008. ISBN 978-3-8273-7359-5
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Modelllernen: Bandura, A. (1991). Sozial-kogntive Lerntheorie. Hrsg.: v. Rolf Verres. Stuttgart: Klett-Cotta Verlag.
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Wissenschaftliche Quellen:
Avermaet, Eddy von (1996). Sozialer Einfluss in Kleingruppen. In Stroebe, Hewstone und Stephenson (Hrsg.). Sozialpsychologie (S. 503–543). Berlin: Springer-Verlag. ISBN 3-540-61268-8
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Darley & Batson (1973). From Jerusalem to Jericho: A study of situational and dispositional variables in helping behavior. Journal of Personality and Social Psychology, 27, S. 100–108.
R. V. Levine et al. (1994). Helping in 36 U.S. cities. Journal of Personality and Social Psychology, 67, S. 69–82.
Meyer, G. (2014). Mut und Zivilcourage. Grundlagen und gesellschaftliche Praxis. Leverkusen: Verlag Barbara Budrich.

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