Verfügbarkeitsfehler – Infos besser bewerten

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Der Verfügbarkeitsfehler sorgt für eine Fehlinterpretation von Informationen. Ist man sich dessen aber bewusst, kann man Informationen viel zuverlässiger einschätzen.

Der Verfügbarkeitsfehler ist allgegenwärtig

Egal wo man hinkommt: Das Flüchtlingsthema ist allgegenwärtig.
In vielen Fällen sogar von Angst geprägt.
Fragt man jedoch genauer nach, macht man oft eine interessante Feststellung.
Die meisten Menschen, die sich ängstlich äußern, hatten noch überhaupt keinen Kontakt zu Flüchtlingen. Oft hört man dann, dass Dinge, die wir nicht kennen, eben Angst machen. Das kann sein, ist aber nicht der einzige Grund.
Viel schwerwiegender ist der sogenannte Verfügbarkeitsfehler.

Viele Menschen leiden z.B. unter Flugangst. Statistisch gesehen ist es aber recht unwahrscheinlich, dass wir bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommen. Viel wahrscheinlicher ist, dass wir durch einen Herzinfarkt das Zeitliche segnen. Dennoch ist die Angst vor dem Fliegen weiterverbreitet, als die Angst vor einer Herzattacke.

Warum ist das so?

Wir können uns der medialen Berichterstattung kaum entziehen. Jedes Mal, wenn ein Flugzeug abstürzt, liegt die Wahrscheinlichkeit bei nahezu 100%, dass Medien darüber berichten. Das Nachbar aber gerade mit einer Herzattacke zusammengeklappt ist, werden wir aus den Medien wohl eher nicht erfahren – es sei denn er war prominent.

Hierdurch ist der Flugzeugabsturz in unserem in unserem Kopf viel präsenter. Er ist eher verfügbar., als die Herzattacke, selbst wenn unsere Vernunft sagt, dass es statistisch gesehen genau umgekehrt sein sollte.
Fehlt uns aber diese Statistik, oder können bzw. wollen diese nicht rational auswerten, greift unser Hirn auf eine Ersatzinformation zurück. Es checkt, wie häufig ein Ereignis in unseren Erinnerungen verfügbar ist.
Daraus baut es sich eine ganz eigenen statistischen Wert. Woran wir uns leicht erinnern, halten wir für wahrscheinlicher. Dinge an die wir uns schlecht erinnern können, nehmen wir als unwahrscheinlicher war.

Wir schießen automatisch daraus, dass der Tod durch einen Flugzeugabsturz wahrscheinlicher sei, als der Tod durch eine Herzattacke.

Genauso verhält es sich mit der Flüchtlingsangst. Das ein Flüchtling sich uns gegenüber kriminell verhält, ist für viele Menschen wahrscheinlicher, als dass wir einen netten Menschen kennenlernen.

Selbst wenn uns das Gegenteil bewiesen wird, halten wir oft an unserer Überzeugung fest.

Dieser Effekt ist als Perseveranzeffekt bekannt.

Das soll nicht heißen, das Flugzeugabstürze oder kriminelle Flüchtlinge nicht existieren. Sie kommen aber wesentlich seltener vor, als uns die von den Medien erzeugten Erinnerungen weismachen wollen.

Wie solltest Du im Alltag damit umgehen?

Wenn Du den Eindruck hast, Dich könnte der Verfügbarkeitsfehler an der Nase herumführen, wirf noch einmal einen Blick in die Statistiken. Versuche Deine selber gemachten Erfahrungen zu reflektieren. Oft kommst Du dann zu einem ganz anderen Ergebnis.

Halte Dich von „Bad News“ fern, auch wenn sie den Voyeurismus befriedigen. Ist es für Dich wirklich relevant, ob ein Flugzeug abgestürzt ist? Ist es wichtig ob deutsche Passagiere an Bord waren?
Widme Dich lieber den schönen Dingen des Lebens!
Mache ganz eigene und persönliche Erfahrungen!
Du wirst sehen, das Ängste nachlassen. So erhälst Du ein viel weniger verzerrtes Bild der Dinge.

Weitere Videos findest Du auf dem Empalogics-YouTube-Kanal, oder aber direkt hier!

Quellen

Zum Weiterlesen:
https://blick-heben.com/kognitives/warum-schwarze-schwaene-irrationale-entscheidungen-hervorrufen/

Wissenschaftliche Quellen:
Hoch, S. J. (1984). Availability and interference in predictive judgment. Journal Of Experimental Psychology: Learning, Memory, And Cognition, 10(4), 649-662. doi:10.1037/0278-7393.10.4.649
Pachur, T., Hertwig, R., & Steinmann, F. (2012). How do people judge risks: Availability heuristic, affect heuristic, or both? Journal Of Experimental Psychology: Applied, 18(3), 314-330. doi:10.1037/a0028279
Schwarz, N., Bless, H.,Strack, F., Klumpp, G., Rittenauer-Schatka, H. & Simons, A. (1991). Ease of retrieval as information: Another look at the availability heuristic. In: Journal of Personality and Social Psychology, 61, 195–202.
Strack, F. & Deutsch, R. (2002). Urteilsheuristiken. In: D. Frey, M. Irle (Hrsg.). Theorien der Sozialpsychologie. Band III: Motivations-, Selbst- und Informationsverarbeitungstheorien, 352–384.
Tversky, A. & Kahneman, D. (1973). Availability: A heuristic for judging frequency and probability. In: Cognitive Psychology. Vol. 5 (2), 207–232.
Tversky, A. & Kahneman, D. (2005). Judgment under Uncertainty: Heuristics and Biases. In: Max H. Bazerman (Hrsg.). Negotiation, decision making and conflict management. Vol 1-3. Edward Elgar Publishing, Northampton, MA, US , 251–258.

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