Überlegenheitsillusion – 5 Tipps zur Selbsteinschätzung

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Die Überlegenheitsillusion ist ein Grund dafür, warum wir uns oft falsch einschätzen. Hier 5 hilfreiche Tipps zur besseren Selbsteinschätzung!

Stell Dir vor Du arbeitest in einem Unternehmen und triffst mit Deinen Kollegen in der Kantine auf Kollegen einer anderen Abteilung. Ihr unterhaltet Euch gut und angeregt.

Was ist die Überlegenheitsillusion?

Kaum ist die Mittagspause vorbei, geht sie auch schon los – die Lästerei.

„Die sind mit dem Projekt total überfordert.“
„Wen wundert es? Da fehlen einfach die richtigen Leute im Team.“
„Ja, hätte man uns, das machen lassen, wären wir schon viel weiter…“

Man könnte jetzt denken, Neid sei der Grund für diese Lästerei. Ganz so einfach ist es aber nicht.
Oft spielt nämlich etwas anderes eine viel tragendere Rolle: Die Überlegenheitsillusion.

Wir neigen dazu unsere Stärken im Vergleich zu anderen Personen, zu überschätzen und unsere Schwächen zu unterschätzen. Dies gilt nicht nur für den Beruf, sondern ist in allen Lebensbereichen wiederzufinden.
Wir halten uns selbst oft für überdurchschnittlich intelligent, besonders beliebt oder attraktiv.
In manchen Fällen mag dies sogar zutreffen, aber oft schätzen wir die Lage nicht unbedingt realistisch ein.

Als Faustregel kann man sagen:
Je schlechter eine Fähigkeit ausgeprägt ist, umso mehr neigen wir dazu, diese zu überschätzen.

In meiner Arbeit als Erzieher konnte ich selber immer wieder dieses Phänomen beobachten. Eltern waren total überfordert. Sie gingen aber davon aus die besten Eltern der Welt zu sein und ihre Kinder waren natürlich alle Hochbegabt.

Autofahrer sind ein gutes Beispiel

Ein weiteres gutes Beispiel für die Überlegenheitsillusion sind Autofahrer. Fast jeder behauptet von sich ein überdurchschnittlich guter Fahrer zu sein und daher immer alles unter Kontrolle zu haben.
2016 starben 3214 Menschen bei Verkehrsunfällen in Deutschland. Zieht man einmal die technischen Defekte und Suizide ab, so bleibt die Anzahl noch immer beträchtlich.
So gut wie alle gingen aber bis unmittelbar vor dem Unfall davon aus, die Situation voll und ganz unter Kontrolle zu haben.

Es gibt aber auch eine Kehrseite der Medaille. Die Überlegenheitsillusion tritt nämlich besonders in Situationen auf, die wir gewohnt sind. Kommen wir aber in eine ungewohnte Situation unterschätzen wir oft unsere Fähigkeiten.

Es kann also gut sein, dass Du weit weniger Kontrolle über Dein Fahrzeug hast, als Du vielleicht denkst, dafür aber in der Lage wärst ein Flugzeug im Notfall in der Luft zu halten.

Ist die Überlegenheitsillusion also etwas Schlechtes?
Ja und Nein!
Denn zunächst einmal zählt sie zu den sogenannten selbstwertdienlichen Verzerrungen. Hierdurch entwickeln wir ein positives Selbstwertgefühl und behalten dieses auch auf Dauer. Wir fühlen uns also besser.

Auf der anderen Seite kann eine Selbstüberschätzung auch zu einem gefährlichen Verhalten führen, wie wir eben in dem Beispiel mit den Autofahrern deutlich sehen konnten.

Wir haben auch noch alle die Bilder der Ausschreitungen von Hamburg rund um den G20-Gipfel im Kopf. Auch hier geht jeder Randalierer davon aus, so clever zu sein, bei einer Straftat nicht erwischt zu werden. Das mag auch ab und zu der Fall sein, für viele wird dies aber dennoch weitreichende Folgen haben.

Damit Du nicht ständig der Überlegenheitsillusion auf dem Leim gehst, hier 5 hilfreiche Tipps zur besseren Selbsteinschätzung:

  1. Hinterfrag Deine Fähigkeiten

    Greife hierbei auf Erfahrungen aus der Vergangenheit zurück. Hat Dich Deine Einschätzung schon einmal in eine brenzlige Situation gebracht? Hattest Du manchmal vielleicht einfach nur Glück und eine Situation hätte auch ganz anders ausgehen können? Stell Dir diese Fragen für ein realistischeres Selbstbild!

  2. Frag Menschen denen Du vertraust, nach ihrer Einschätzung

    Oft ist es besser, sich eine zweite Meinung einzuholen und diese in die eigene Beurteilung mit einfließen zu lassen. So verschafft man sich ein neutraleres Bild
    .

  3. Sei offen für konstruktive Kritik

    Wenn Du konstruktive Kritik erhälst, nimm diese an. Prüfe, ob die Kritik gerechtfertigt ist und was Du an Dir, Deiner Einschätzung und Deinem Verhalten verändern kannst. Manchmal bietet konstruktive Kritik nicht unbedingt einen für Dich akzeptablen Lösungsweg, aber sie kann als Denkanstoß genutzt werden, vielleicht eigene Lösungswege zu entwickeln.

  4. Nimm die Position eines Beobachters ein

    Wenn schnelle Entscheidungen zu treffen sind, ist nicht immer eine Person Deines Vertrauens greifbar um Deine Selbsteinschätzung zu bestätigen oder zu wiederlegen. Nimm in dies Fall die Position eines neutralen Beobachters ein und frage Dich wie diese Person handeln und ob sie Deine Einschätzung teilen würde. Stell Dir hierbei zum Beispiel eine Vertrauensperson vor, mit der Du kurz die Lage bespricht. Was würde sie sagen?

  5. Nutze Deine Erkenntnisse als Ansporn

    Stellst Du fest, dass Dich die Überlegenheitsillusion aufs Glatteis geführt hat und Du in einer Sache doch nicht so gut bist, wie Du dachtest, ist das kein Beinbruch. Nimm es als Ansporn, Dich selbst zu verbessern in dem was Du tust. Überlege was dazu notwendig wäre, und setze es so schnell wie möglich um.

Und hier noch ein Bonustipp von mir:

  1. Gestehe auch anderen die Überlegenheitsillusion ein und lerne so ihr Verhalten besser einzuschätzen!

Nicht nur Du, sondern auch andere sind von der Überlegenheitsillusion betroffen. Wenn Du Dir das ins Bewusstsein rufst, kannst Du ihr Verhalten besser verstehen und vorhersehen. Oft kann dass der entscheidende Vorteil sein, um als Sieger aus Situationen hervor zu gehen. Unterschätze dies nicht!

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Überlegenheitsillusion eine Überschätzung unserer Fähigkeiten ist, welche aber zu einem positiven Selbstwertgefühl führt.
Da diese aber auch gewisse Gefahren in sich bürgt, ist es ratsam unsere Fähigkeiten zu hinterfragen und andere um ihre realistische Einschätzung und konstruktive Kritik zu bitten. Indem wir unsere Erkenntnisse als Ansporn sehen und anderen die Überlegenheitsillusion ebenfalls eingestehen, können wir sie so besser einschätzen. Das verschafft uns einen entscheidenden Vorteil – in vielen Lebenssituationen.

Weitere Videos findest Du auf dem Empalogics-YouTube-Kanal, oder aber direkt hier!

Quellen

Zum Weiterlesen:
https://www.imageberater-nrw.de/ib-kompetenzbereiche/psychologie/hintergrundwissen-%C3%BCberlegenheitsillusion/
http://www.neon.de/artikel/fuehlen/psychologie/kopfgefuehl/685299

Wissenschaftliche Quellen:
Carney, R. N. (1991). The ‘Lake Wobegon effect’: Implications for the assessment of exceptional children. Journal Of School Psychology, 29(2), 183-186. doi:10.1016/S0022-4405(05)80011-1
Dai, D. Y., & Rinn, A. N. (2008). The big-fish-little-pond effect: What do we know and where do we go from here?. Educational Psychology Review, 20(3), 283-317. doi:10.1007/s10648-008-9071-x
Kruger, J. (1999). Lake Wobegon be gone! The ‘below-average effect’ and the egocentric nature of comparative ability judgments. Journal Of Personality And Social Psychology, 77(2), 221-232. doi:10.1037/0022-3514.77.2.221

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