Mitleid vs. Mitgefühl – Die Unterschiede

Mitleid zeigen können ist gesellschaftlich hoch angesehen. Warum es aber gar nicht so gut ist, so zu handeln und warum Du anderen damit sogar schaden kannst, wird Dir in diesem Artikel erklärt.

Mitleid vs. Mitgefühl – Gut gemeint, schlecht umgesetzt

Stell Dir vor, eine Freundin steckt in großen Schwierigkeiten, welche sie für sich nicht mehr lösen kann. Sie offenbart Dir, dass sie mit dem Gedanken spielt sich das Leben zu nehmen.

Du zeigst Verständnis, bestätigst sie darin, dass die Schwierigkeiten, welche sie hat wirklich übel sind, weil Du Dich einmal ganz ähnlich gefühlt hast und noch zum Teil so fühlst. Du gibst ihr das Gefühl nicht alleine zu sein und jemanden zu haben, dem es ganz ähnlich geht. Gemeinsam tauscht ihr eure Probleme aus und bemerkt, wie ähnlich Eure Situation doch ist.
Die Freundin fühlt sich sofort ein Stückchen besser, da sie nicht mehr alleine ist.

Wie bewertest Du dieses Vorgehen?
Findest Du es richtig, oder wärst Du anders vorgegangen?

Kopfloser Held oder durchdachter Helfer?

Bevor wir uns diesem Beispiel weiter widmen, hier noch ein weiteres:

Stell Dir vor Du kommst an einem brennenden Haus vorbei. Am Fenster steht jemand und schreit nach Hilfe.

Nun hast Du 2 Möglichkeiten:

  • Möglichkeit 1: Du entdeckst den Helden in Dir, stürzt Dich todesmutig ins Haus, nur um schließlich das Leid des eigentlichen zu rettenden zu teilen und ebenfalls auf Hilfe zu warten.
  • Möglichkeit 2: Du rufst die Feuerwehr, versuchst die zu rettende Person zu beruhigen um diese auf die Rettung vorzubereiten.

Welche Möglichkeit hättest Du hier ganz spontan gewählt?

Ein Großteil wird die Möglichkeit 2 bevorzugen.
Es liegt ja auch auf der Hand, denn so ist es am besten möglich, Hilfe zu leisten.

Zurück zu unserer Freundin…

Wenn Du in unserem ersten Beispiel mit der Freundin, das dargestellte Verhalten als optimal eingestuft hast, so muss ich Dich enttäuschen. Es ist vergleichbar mit der Möglichkeit 1 des Beispiels mit dem brennenden Haus.

Deine Beweggründe sind zwar die Richtigen, aber Du verwehrst der Freundin Hilfe, indem Du Dich auf dieselbe Ebene begibst, und mit ihr leidest. Sie fühlt sich dann zwar mit der Situation nicht alleine, geholfen ist ihr aber auch nicht.
Wir sprechen hier von Mitleid.

Eine bessere Möglichkeit wäre es hier gewesen, dass Du Empathie zeigst. Das Du spürst, dass die Freundin in größter Not ist, gehst hier aber etwas auf Abstand zu dem Problem. Versuche es aus der Vogelperspektive zu sehen und überlege, welche Schritte nun hilfreich sein könnten, um zu helfen. Du kannst ihr zum Beispiel anbieten sie zu entsprechenden Hilfestellen zu begleiten und ihr auch so das Gefühl zu geben nicht alleine zu sein.

Wenn Du so handelst und das Leid zwar wahr-, dieses aber nicht übernimmst, dann sprechen wir von Mitgefühl.

Der kleine aber feine Unterschied

Wie Du siehst liegen zwischen Mitleid und Mitgefühl Welten und vielen ist der Unterschied gar nicht bewusst.

Wenn Du Dich in der Situation befindest, in der eine andere Person leidet, dann erinnere Dich an das brennende Haus. Überlege dann, welche Position Du nun einnimmst.

Weitere Videos findest Du auf dem Empalogics-YouTube-Kanal, oder aber direkt hier!

Quellen

Zum Weiterlesen:
https://blog.prozesspsychologen.de/mitleid-oder-mitgefuhl-ein-entscheidender-unterschied/
https://www.zeitzuleben.de/warum-mitleid-deinen-gefuehlen-streichen-solltest/
http://www.intensivcareunit.de/download/mitleid_vs_mitgefuehl.pdf

Wissenschaftliche Quellen:
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Lindsay, E. K., & Creswell, J. D. (2014). Helping the self help others: Self-affirmation increases self-compassion and pro-social behaviors. Frontiers In Psychology, 5
Lux, V. (2017). Measuring the emotional quality—Empathy and sympathy in empirical psychology. In V. Lux, S. Weigel, V. Lux, S. Weigel (Eds.) , Empathy: Epistemic problems and cultural-historical perspectives of a cross-disciplinary concept (pp. 115-138). New York, NY: Palgrave Macmillan. doi:10.1057/978-1-137-51299-4_5
Song, J., Colasante, T., & Malti, T. (2018). Helping yourself helps others: Linking children’s emotion regulation to prosocial behavior through sympathy and trust. Emotion, 18(4), 518-527. doi:10.1037/emo0000332
Zahn-Waxler, C., & Smith, K. D. (1992). The development of prosocial behavior. In V. B. Van Hasselt, M. Hersen, V. B. Van Hasselt, M. Hersen (Eds.) , Handbook of social development: A lifespan perspective (pp. 229-256). New York, NY, US: Plenum Press. doi:10.1007/978-1-4899-0694-6_10

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