Kontrollillusion – Wie Du Deine Selbstdisziplin steigerst

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Die Kontrollillusion hindert uns daran, den inneren Schweinehund zu besiegen. Es gibt aber Möglichkeiten, dem entgegen zu wirken.

Kontrollillusion zum Jahreswechsel

Du kennst das sicher auch:
Es ist Jahreswechsel und wir fassen uns gute Vorsätze. Sei es mit dem Rauchen aufzuhören, abzunehmen oder mehr Sport zu treiben. Meist dauert es nur wenige Wochen bis unsere guten Vorsätze dahin sind und wir in alte Muster verfallen. Oft begründen wir dies mit dem Mangel an Selbstdisziplin. Aber ist dies wirklich ausschließlich das Problem?

In den Meisten Fällen kommt noch ein weiterer Faktor dazu:

Haben wir erst einmal ein Verhaltensmuster etabliert, welches funktioniert, halten wir daran fest. Dies geschieht selbst, wenn das Muster einen negativen Einfluss auf uns hat.
Es schafft uns ein Grundgerüst an Sicherheit und gaukelt uns vor, die Kontrolle zu haben.

Man spricht hier von der Kontrollillusion.

Das Glück beeinflussen

Ganz ähnlich verhält es sich mit Dingen, welche wir offenkundig nicht beeinflussen können.
Stell Dir vor, Du füllst einen Lottoschein aus.
Wäre es Dir lieber die Zahlen selbst auszuwählen, oder diese durch eine andere Person vorgegeben zu bekommen?

Die gezogenen Zahlen beim Lotto werden rein zufällig ermittelt. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass die meisten Menschen ihre Zahlen lieber selbst auswählen. . Sie glauben sie erhöhen ihre Chancen, wenn sie Kontrolle über ihre Entscheidung haben. Dies ist natürlich nicht der Fall.

So hat man auch beobachtet, dass bei einem Würfelspiel die meisten Spieler kraftvoller würfeln, wenn sie sich höhere Zahlen erhoffen. Ihr Wurf wird sanfter getätigt, wenn sie niedrigere Zahlen benötigen.

Ganz rational betrachtet, macht es natürlich keinen Unterschied, ob wir selbst die Zahlen beim Lotto bestimmt, oder ob wir heftiger bzw. sanfter würfeln. Es gibt uns aber das Gefühl die Kontrolle und damit Sicherheit zu haben.

Den Drang nach Sicherheit nutzen

So hinderlich der Drang nach Sicherheit – insbesondere bei negativen Eigenschaften – auch ist, so können wir uns diesen auch zu Nutze machen.

Um ein negatives Verhalten wirklich nachhaltig zu verändern, und die vermeintliche Kontrolle gegen eine Echte Kontrolle auszutauschen, müssen wir der Kontrollillusion erst einmal auf die Schliche kommen. Es klingt vielleicht paradox, aber es macht Sinn zunächst einmal so negativ wie möglich zu denken:
„Was muss passieren, damit alles noch viel schlimmer kommt?“

Den Worst Case konstruieren

Konstruiere in Deinem Kopf den absoluten Worst Case und frage Dich dann:

Ich hatte zum Beispiel vor gar nicht so langer Zeit, einen schweren Unfall und habe mir einige Knochen recht kompliziert gebrochen. Die Physiotherapie bedeutet bis heute einen hohen Zeitaufwand und ist äußerst schmerzhaft.

Wie bekomme ich mich also motiviert, fast täglich um 6 Uhr in der Früh in der Praxis aufzutauchen und die Qualen durchzustehen?

Ich male mir aus, was passiert, wenn ich es nicht tun würde. Mein Bein und mein Arm würden sich versteifen und nicht mehr bewegen lassen. Zudem hätte ich Schmerzen bis an mein Lebensende. Andere Körperregionen würden durch die Fehlbelastung ebenfalls dauerhaft geschädigt werden.
Kurz gesagt: Meine Lebensqualität würde dauerhaft drastisch sinken.
Will ich das? Natürlich nicht.

Den Preisvergleich machen

Nun ist es an der Zeit einen Preisvergleich zu machen. In welchem Fall ist der Preis höher? Wenn ich es soweit kommen lasse und alles den Bach herunter geht, oder wenn ich einen Prozess anstoße, der eine Veränderung hervorruft?

Ein solches Gedankenspiel erhöht die eigene Motivation, etwas zu verändern.

Dieses „Gerüst der vermeintlichen Sicherheit“ hat seinen festen Stand in unserem Unterbewussten. , wenn man (ähnlich wie in einer Hypnose) auf der gleichen Frequenz sendet.

Nutze die Autosuggestion

Formuliere einen möglichst positiven Satz und wiederhole ihn im Geiste immer und immer wieder.

Es benötigt zwar etwas Zeit, aber auf diese Weise besiegen wir den Inneren Schweinehund nachhaltig und übernehmen wirklich die Kontrolle über unser Verhalten.

Auf der anderen Seite sollten wir uns auch immer wieder die Frage stellen, ob wir wirklich die Kontrolle haben, oder ob eine Sache eher dem Zufall zuzuschreiben ist. So lenken wir unsere Energie auf Dinge, welche sich wirklich verändern lassen und nutzen diese optimal.

Fassen wir noch einmal zusammen:
  1. Der Drang nach Sicherheit ist tief in unserem Unbewussten verankert und schließt auch negative Verhaltensweisen mit ein.
  2. Wir können den Zufall nicht kontrollieren. Wir überprüfen, ob das, was wir verändern wollen, wirklich kontrollierbar ist.
  3. Negatives Verhalten verändern wir nachhaltig, indem wir uns bewusst gegen ein Gerüst der vermeintlichen Sicherheit entscheiden und diesem mittels Autosuggestion entgegenwirken.Ich hoffe diese Tipps waren hilfreich für Dich und konnten Deinen Blick dafür schärfen, an welchen Punkten Kontrolle nur eine Illusion ist.

Weitere Videos findest Du auf dem Empalogics-YouTube-Kanal, oder aber direkt hier!

Quellen

Zum Weiterlesen:
Vom Wissen zum Handeln: https://www.grin.com/document/160488
Autosuggestion: https://www.zeitzuleben.de/grundlagen-der-autosuggestion/
Gute Vorsätze: https://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article112248175/Warum-wir-die-guten-Vorsaetze-nicht-halten.html

Wissenschaftliche Quellen:
Achtziger, A., & Gollwitzer, R. M. (2008). Motivation and volition in the course of action. In J. Heckhausen, H. Heckhausen, J. Heckhausen, H. Heckhausen (Eds.) , Motivation and action (pp. 272-295). New York, NY, US: Cambridge University Press. doi:10.1017/CBO9780511499821.012
Ajzen, I. & Fishbein, M. (1970). The prediction of behavior from attudinal and normative variables. Journal of Experimental Social Psychology, G, 466–487.
Ajzen, I., & Fishbein, M. (1977). Attitude-behavior relations: A theoretical analysis and review of empirical research. Psychological Bulletin, 84, 888–918.
Bandura, A. (1977). Self-Efficacy: Toward a Unifying Theory of Behavioral Change. Psychological Review. 84 (2), 191–215.
Bandura, A., Adams, N.E., & Beyer, J. (1977). Cognitive processes mediating behavioral change. Journal of Personality and Social Psychology, 35, 125–239.
Fishbein, M., & Ajzen, I. (1975). Belief, attitude, intention, and behavior: An introduction to theory and research. Reading, Mass.: Addison-Wesley.

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