Attributionsfehler – Schuld sind immer die Anderen

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Der Attributionsfehler ist verantwortlich dafür, dass wir gerne einmal anderen die Schuld geben. Was können wir tun?

Der Attributionsfehler in der Praxis

Stellt Dir vor, es ist 19.30 Uhr und Du stehst vor dem Theater. Eine gute Freundin und Du seid genau jetzt verabredet um sich gemeinsam das Musical „Freudiana“ anzusehen, auf, dass Du Dich schon seit Monaten gefreut hast. Alles könnte so perfekt sein, doch wer fehlt ist Deine Freundin. Nervös schaust Du auf die Uhr und denkst:

„Die blöde Kuh, heute hätte sie einmal pünktlich sein können und dann versaut sie es! Wahrscheinlich wusste sie wieder einmal nicht, was sie anziehen sollte. Typisch! Nicht einmal absagen kann sie!“

Vielleicht sehen Deine Gedanken aber auch so aus:

„Hoffentlich ist ihr nichts passiert! Vielleicht gab ist etwas mit der Familie oder sie sitzt in einer stehengebliebenen Straßenbahn und hat keinen Handy-Empfang um Bescheid zu geben.“

Welche Variante wäre bei Dir wahrscheinlicher?

Große Studien haben jedoch gezeigt, dass wir in der westlichen Welt eher zur Variante 1 – also zur blöden Kuh tendieren.

Wenn wir eine solche Annahme treffen, spricht man in der Psychologie von einer Attribution.

Die internale und die externale Attribution

Hierbei gibt es zwei Arten von Attribution. Die internale und die externale Attribution.

Die internale Attribution, entspricht der ersten Annahme. Wir suchen den Grund für ein verhalten in der Person selbst, wohingegen bei der externalen Attribution das Verhalten durch äußere Einflüsse erklärt wird.

Der Sozialpsychologe Lee Ross spricht hier sogar von einem fundamentalen Attributionsfehler. Warum aber ist es ein Fehler?

Nun, die Annahme die wir treffen ist voreingenommen und hat noch nichts mit der Realität zu tun. Die wirkliche Ursache, dass die Freundin nicht auftaucht, kennen wir noch gar nicht. Wir stellen aber bereits eine Vermutung an, welche sich jedoch oft nicht mit der Realität deckt. Vielleicht steckt sie ja wirklich in der Straßenbahn fest, oder aber es gibt einen Grund, an den wir noch nicht gedacht haben. Trotzdem sind wir ziemlich sicher, dass es an ihr liegen muss, dass wir nun alleine vor dem Theater stehen.

Dieser Fehler ist sogar noch weitreichender:

Selbst wenn wir ganz genau wissen, dass eine Situation nicht an der Person liegt, neigen wir dennoch dazu ihr die Ursache zuzuschreiben.

Hierzu gibt es ein interessantes Experiment:

Man lässt zwei Versuchsgruppen einem Redner zuhören, der eine bestimmte Position klar vertritt.

Im Anschluss sagt man der ersten Versuchsgruppe, der Redner habe sich die Rede selbst ausgedacht. Der zweiten Gruppe sagt man, der Redner hätte lediglich Vorgaben befolgt und ihm sei die Rede vorgegeben worden.

Schließlich befragte man beide Gruppen, wie sehr die Rede die eigne und ganz persönliche Meinung des Redners wiedergab.

Die erste Gruppe glaubte natürlich, es seien die Standpunkte des Redners gewesen, denn schließlich habe er sich diese selber ausgedacht.

Aber auch die zweite Gruppe war davon überzeugt, dass die Rede der Meinung des Redners entspräche, obwohl sie wussten, dass er nur bestimmte Vorgaben erfüllt hat.

Westliche und östliche Kulturen

Wie eingangs erwähnt, findet sich der fundamentale Attributionsfehler überwiegend in westlichen Kulturen. Hier ist man eher individualistisch geprägt. Man verfügt hier über ein unabhängiges und selbstbestimmtes Bild des Menschen. Dies bezeichnet man auch als Independentes Verständnis des Selbst.

In östlichen Kulturen hingegen neigt man eher dazu den Menschen als Teil einer Gemeinschaft zu sehen in der jeder seine Aufgabe hat. Hier spricht man von einem Interdependentes Verständnis des Selbst.

In Japan beispielsweise nimmt man Ereignisse eher situationsbedingt war und hätte daher bei unserem Beispiel die zweite Antwort gewählt.

Attributionsfehler führen in unserer Welt jedoch häufig zu Ungerechtigkeit und Fehleinschätzungen. Es macht also durchaus Sinn sich selbst zu hinterfragen, ob man nicht etwas vorschnell urteilt und zu prüfen, ob nicht auch äußere Einflüsse für das Verhalten eines Menschen in Frage kämen.

Weitere Videos findest Du auf dem Empalogics-YouTube-Kanal, oder aber direkt hier!

Quellen

Wissenschaftliche Quellen:
Eberly, M. B., Holley, E. C., Johnson, M. D., & Mitchell, T. R. (2017). It’s not me, it’s not you, it’s us! An empirical examination of relational attributions. Journal Of Applied Psychology, 102(5), 711-731. doi:10.1037/apl0000187
Hewett, R., Shantz, A., Mundy, J., & Alfes, K. (2018). Attribution theories in Human Resource Management research: A review and research agenda. The International Journal Of Human Resource Management, 29(1), 87-126. doi:10.1080/09585192.2017.1380062
Graham, S. (1991). A review of attribution theory in achievement contexts. Educational Psychology Review, 3(1), 5-39. doi:10.1007/BF01323661
Miller, I. W., & Norman, W. H. (1979). Learned helplessness in humans: A review and attribution-theory model. Psychological Bulletin, 86(1), 93-118. doi:10.1037/0033-2909.86.1.93

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